Die Brennnessel - Urtica dioica

#Brennnessel – Die Königin der wilden Pflanzen

Die Brennnessel – durch ihren Namen oft verkannt und von vielen aus schmerzlichen Kindheitserinnerungen als brennendes, unliebsames Kraut abgetan. Dabei kann die Brennnessel so viel mehr: Uns kulinarischen Genuss, eine Vielzahl an wertvollen Inhaltsstoffen und Heilkräfte schenken.

 

#Energiebombe und #Jungbrunnen

Im Vergleich zum angebauten Kulturgemüse trumpft die Brennnessel bei beinahe allen Nährstoffen mit dem höchsten Gehalt auf. Beispielsweise enthält sie gleich 5-mal soviele Vitalstoffe wie ein Kopfsalat. Auch Spitzensportler und Veganer kommen dabei auf ihre Kosten, denn reichlich Eiweiß ist in den dunkelgrünen Blättern gespeichert. Gleich soviel, dass kleingehackte Brennnessel einst den Küken unters Futter gemischt wurde, um das Muskelwachstum zu fördern. Auch der Pferdezüchter verabreichte seinen Tieren das Kraut, bevor er sie verkaufen wollte, weil sie somit gleich um fünf Jahre jünger aussehen sollten.

#Allergie-Löser

Ja, die Brennnessel ist ein Jungbrunnen und sollte am besten vor dem Blütenaustrieb im Frühjahr verspeist werden, denn dann ist der Nährstoffgehalt am höchsten. Der Verzehr eines rohen Blattes am Tag ist dabei sehr zu empfehlen – ungewaschen bleiben sogar das gesunde Mikrobiom und Vitamin B12 auf der Blattoberfläche erhalten. Zudem enthält das rohe Blatt viel Histamin und Ameisensäure. Selbst bei Histamin-Unverträglichkeit kann sich langsam an die Urtica – so ihr lateinischer Pflanzenname – herangetastet werden. Sie wird oft gut vertragen! Die Ameisensäure, eine cortisonartige Flüssigkeit, steckt in den Brennhaaren. Diese brechen bei Berührung ab und verursachen den brennenden Schmerz, den viele fürchten. Doch kann gerade dieser Inhaltsstoff für Menschen, die von Allergien heimgesucht werden, sehr hilfreich sein. Manch ein Heuschnupfengeplagter mag es von Arztbesuchen kennen, wenn die Nase juckt und die Augen brennen, hilft der Mediziner mit einer Spritze Ameisensäure. Die Brennnessel schenkt uns diesen Stoff in natürlicher Form und völlig umsonst. Ich habe von einigen Berichten gehört, bei denen sich verschiedene Allergien stark gebessert haben oder nahezu ganz verschwanden. Jeden Tag ein frisches Blatt verzehrt und der Picks beim Arzt bleibt erspart.

 

#Rohverzehr?

Oft werde ich ungläubig angesehen, wenn ich diesen Trick vorführe. Dabei ist er kinderleicht – meine 8-jährige Tochter bekommt ihn ebenso gut hin. Natürlich will sich niemand täglich an den Haaren der Nesselpflanze verbrennen. Doch wer mit ruhiger Hand ein Blatt am dünnen Blattstiel mit dem Fingernagel abknipst, dem wird erstmal nichts passieren. Dann dieses am Stiel gehalten und mit den Fingern der anderen Hand an der breiten Seite des Blatt greifen. Der Daumen meiner rechten Hand liegt dabei vorne, die anderen Finger hinten. Nun sanft – aber bestimmt – die Brennhaare glatt nach unten zur Spitze hin ausstreichen. Gerne noch zweimal wiederholen, damit wirklich alle Haare eng anliegen. Nun das Blatt vorsichtig zusammenfalten (erst die Seiteneile, dann einrollen) bis eine Kugel entsteht und diese zwischen den Händen rollen. Dabei etwas Druck ausüben. Die Brennhaare sollten nun alle deaktiviert sein. Das Blatt kann unverzüglich im Mund landen und seine genussvolle und heilsame Wirkung entfalten.

 

#Urtifikation

Bei uns oft als Unkraut betrachtet, wird die Brennnessel in Frankreich bereits auf dem Acker angebaut. Die Bauern haben die gesundheitlichen, geschmacklichen und kostengünstigen Vorzüge erkannt und wollen dies nun für sich nutzen. Bereits in alten Papyri der Ägypter wurde die Pflanze erwähnt. Ärzte setzten einen Tee aus der Staude an, um diesen bei Arthritis und Hexenschuss anzuwenden. Unter Kräuterkundigen ist die so genannte Urtifikation immer noch bekannt. Und manch einer kennt es noch aus Erzählungen von den Großeltern. Bei Arthrose, Rheuma, Gicht, jeglichen Erkrankungen, die den Bewegungsapparat betreffen, wurden lange Nesselbüsche über die betroffenen Stellen gestrichen bis sie knallrot anliefen. Das Blut wird dank dieser Anwendung zu dem erkrankten Gewebe gelenkt und alte Schlacke aus diesem herausbefördert.

In der #Schwangerschaft

Wem diese Prozedur zu schmerzhaft anmutet, kann zu einem aufgebrühten Tee aus den Blättern zurückgreifen. Frisch im Frühjahr und Sommer, und aus getrocknetem Kraut im Herbst und Winter. Die Brennnessel ist für ihre harntreibende, ausschwemmende Wirkung bekannt. Sie entgiftet somit unseren Körper und bildet ein basisches Milieu. Dennoch kommt mir immer wieder – auch von vielen Kräuterkundigen – zu Ohren, dass die Brennnessel nicht täglich eingesetzt werden darf; da sie zu viel aus dem Körper ausschwemmt und uns dann wiederrum Vitalstoffe fehlen würden. Hier kann ich nur aus meiner eigenen Erfahrung heraus sprechen, dass ich diese Behauptung nicht teilen kann. Ganz im Gegenteil! Ich habe während der Schwangerschaft täglich einen Brennnesselsmoothie zu mir genommen. Bevor ich damit anfing, ernährte ich mich vorbildhaft, studierte Tabellen, was ich essen konnte, damit es dem Kind gut ging. Besonders eisenhaltige Kost kam auf meinen Teller. Umso enttäuschender war die Analyse beim Gynäkologen, der mir eisenhaltige Tabletten und Getränke aus der Apotheke empfahl, um meinen niedrigen HB-Wert zu puschen. Ich grübelte, war aber entschieden dagegen mir künstliche Pharmazeutika zuzuführen. Da entdeckte ich die Wunderkraft der Brennnessel und siehe da, meine Frauenärztin war begeistert, wie sehr meine Werte sich verbessert hatten und anhielten bis zur Geburt! Ich hatte einen höheren HB-Wert als völlig gesunde, nicht schwangere Frauen. Ich ging zudem wöchentlich schwimmen und war bis zur Geburt nicht einmal krank gewesen.

 

#Nährstoffe – die Brennnessel hat alles zu bieten

Natürlich schwemmt die Brennnessel viel aus, aber dafür bringt sie eine unglaubliche Fülle an Vitalstoffen wieder mich sich. Eisen, Vitamin C und B, Silicium, Ballaststoffe und vieles mehr! Die Samen gelten als wahres Superfood, enthalten reichlich Phytohormone und Enzyme. Die kleinen grünen Nüsschen hängen wie Trauben aus den Blattachseln herab und können ab Ende August gesammelt werden. Getrocknet dienen sie als gesunder, wilder Vorrat für den Winter. Ein Esslöffel am Tag davon gegessen hält fit und vital. Zudem schmecken sie unglaublich lecker im Salat, Müsli oder gebackenem Brot.

 Es gibt eine Legende aus Tibet, die sich um den dort größten Dichter Milarepa rankt. Er wird auf Abbildungen oft grün dargestellt, weil er sich ausschließlich von der Brennnessel ernährt haben soll. Er wohnte am Fuße des heiligen Berges Kailasha, der dicht von Brennnessel-stauden bewachsen ist. Durch seine einseitige Ernährung soll er zudem magische Eigenschaften erhalten haben.

 

Altes #Heilkraut

Wie eben beschrieben enthält die Brennnessel viel Eisen, was somit blutbildend ist. Als Baustein roter Blutkörperchen hilft es den Sauerstoff zu den Zellen zu transportieren. Dabei ist dieser positive Effekt nicht nur Schwangeren zu empfehlen. Zudem ist der Tee oder der Verzehr der Pflanze blutreinigend, tonisierend, entzündungshemmend und dient wunderbar als Frühjahrkur, um den Stoffwechsel zu mobilisieren. Die bekannte Kräuterfrau Maria Treben beschrieb eine vierwöchige Brennnesselkur. Vor dem Frühstück sollte eine Tasse Tee getrunken werden und zwei weitere im Laufe des Tages. Sie schwor darauf, dass eine solche Kur bis ins hohe Alter jung und gesund halte.

Wundermittel für #Haare

Der Jungbrunnen-Effekt spiegelt sich auch in schönen Nägeln und Haaren. Denn die Nessel enthält Kieselsäure, welches das Haarwachstum fördert und diese kräftiger und glänzender macht. Dabei kann die Pflanze vielfältig verwendet werden: Innerlich als Gemüse, Smoothie und Tee oder äußerlich. Dazu wird eine Abkochung von der Wurzel empfohlen. (In der Apotheke erhältlich oder selbst ausgegraben.) In der Wurzel sind noch mehr Inhaltsstoffe gespeichert, die nach 15 minütigem Kochen an das Wasser abgegeben werden. Den Sud abkühlen lassen und die Haare damit spülen. Für einen guten Effekt würde ich eine innerliche Kur mit einer äußerlich angewendeten kombinieren. Wer will kann auch einen Ölauszug herstellen und die Kopfhaut damit einmassieren.

 

#Positiveffekt für andere Pflanzen und #Schmetterlinge

Den positiven heilenden Effekt, den sie auf den Menschen hat, projiziert sie auch auf Pflanzen in direkter Umgebung. Somit entgiftet sie die Böden und erhöht nur durch ihre pure Anwesenheit den Gehalt an ätherischen Ölen in den Wildpflanzen, die in Nachbarschaft zu ihr wachsen. Zudem lässt sich aus ihr eine kräftigende Jauche herstellen, die das Gartengemüse düngt und gleichzeitig von Schädlings- und Pilzbefall befreit. Auch abgeerntete Früchte wie Äpfel und Gemüse halten sich länger, wenn sie auf Brennnesseln gelagert sind oder damit bedeckt werden. Und auch die Tiere nährt die Brennnessel, sie hat an alle gedacht! Denn sie ist die Kinderstube für heranwachsende Schmetterlingslarven. 40-50 Falterarten benötigen die Nesselblätter, um ihre Eier dort abzulegen – darunter beispielweise das Tagpfauenauge. Allein dies sollte schon Grund genug sein, um gnädig mit der Urtica umzugehen. Sie in einer Ecke des Gartens einfach stehen zu lassen, um sich später an den bunten Schmetterlingen zu erfreuen.

#Stoffproduktion

Vor langer Zeit war die Brennnessel hoch geschätzt und wurde selbst in Deutschland angebaut, um den begehrten #Nesselstoff aus ihr zu gewinnen. Volkstümliche Namen wie Hanfnessel zeugen noch von dieser Zeit, wo sie sogar auf dem Wappen von Schleswig-Holstein verewigt wurde. Tuch aus den Fasern der Staude ist rau, aber äußerst strapazierfähig und somit gut geeignet für Arbeitskleidung und Zeltbahnstoff. Neben dem Nesselstoff wurde ebenso Leinen und Hanf in der Textilproduktion eingesetzt. Diese drei wurden im 18. Jh. von der importierten Baumwolle völlig verdrängt. Was heute seltsam klingen mag, da Brennnessel doch wenig Ansprüche im Vergleich zu der Baumwolle hat, die viel Wasser benötigt und dazu oft genug in trockenen Gegenden gewonnen wird, woraufhin der Grundwasserspiegel bedenklich absinkt.

 

Fazit

Im Ganzen betrachtet, schenkt die Brennnessel uns einen prall gefüllten Strauß an Vitalstoffen, Gesundheit, Hilfreiches für Tier, Mensch und Gartenpflanzen und dient auch noch als Bekleidung. Kaum eine Pflanze kann vielfältiger eingesetzt werden! Wodurch sie den Namen Königin der Pflanzen mehr als verdient!

 

Witzige #Anekdote zur Brennnessel

Eine interessante Geschichte um die Brennnessel möchte ich euch nicht verwehren. Sie soll als kleiner Appetithappen gelten und Lust auf mehr Wissenswertes rund um Wildpflanzen machen!

Die Samen der Urtica gelten tatsächlich als Aphrodisiakum. Alte Berichte erzählen von einer fruchtbarkeitsfördernden Wirkung und sie sollen beim Mann das Feuern zum Lodern bringen. Aus diesem Grund heraus waren die Samen der Brennnessel in mittelalterlichen Klöstern tatsächlich verboten. Sogar dem Bier - früher häufig aus allerlei wilden Pflanzen, darunter auch die Brennnessel, zusammengebraut (Stichwort: Nesselbier) – wurde zu Leibe gerückt. Da Bier oft von Mönchen hergestellt und getrunken wurde, schufen diese das bis heute geltende Reinheitsgebot und führten den Hopfen als dominierende Pflanze im Gebräu ein. Statt den sexuellen Trieb zu fördern, beruhigt der Hopfen, schläfert eher ein. Was auch daran zu erkennen ist, dass Hopfen oft in Teemischungen für einen guten Schlaf zu finden ist.